am 12.06.2020 von Jochen Häfele

Corona trennt die Spreu vom Weizen

Die Auswirkungen der Corona Krise auf den Tourismus, ebenso wie die Gesamtwirtschaften, sind noch längst nicht abzusehen. Was jedoch bereits jetzt klar ist: vor allem kleine und unprofessionelle touristische Betriebe werden darunter leiden.

Wie groß das Leiden sein wird, das kann noch niemand Abschätzen, aber wie in jeder Wirtschaftskrise wird es auch dieses Mal diejenigen zuerst treffen, die geringe Marchen haben, zu hohe Kosten und kein gutes Marketing betreiben.

Wenn man eine grobe Gästestruktur im Allgäu ausmachen möchte, dann sind es häufig eher konservative Menschen ab 50 die zu uns ins Allgäu kommen, um Erholung zu suchen. Genau diese Zielgruppe ist wegen Corona noch recht zurückhaltend in der Urlaubsbuchung. Daraus folgt, dass weniger Urlaubswillige auf gleich viele Unterkünfte treffen wie im letzten Jahr.

Dass der stetige Aufwärtstrend in den Allgäuer Tourismusstatistiken jetzt eine gehörige Delle erhalten wird steht außer Frage. Egal ob es am Ende in Ihrem Haus 5, 10 oder gar 20% Minus sein werden, es kommt darauf an, wie Sie jetzt agieren.

Die teilweise aufgeblasene Kostenstruktur der Unternehmen lassen sich oftmals nicht schnell herunterfahren, besonders dadurch, dass ja in diesem Fall keine geringeren Personalkosten in Betracht kommen. Es gilt demnach Kosten auszumachen, die jetzt schnell gesenkt werden können, ohne dass Ihre Kernleistung beeinträchtigt wird. Das hört sich alles sehr einfach an, aber wer sich vor der Krise beispielsweise einen übergroßen SUV für eine monatliche Leasingrate von € 500,- und mehr hat unterjubeln lassen, der steht nun im Regen, ohne dass der Autoverkäufer auch nur ein bisschen Mitleid hat.

Und genau das ist das schöne an der Krise (das sage ich jetzt einfach mal so ganz offen): das Wirtschaften auf Pump (Leasing & Kredite) bereitet manchem Überflieger nun sicher die eine oder andere schlaflose Nacht, wohingegen die Bodenständigen auch weiterhin eher gut schlafen können.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen (Überfliegern & Bodenständigen – die Einordung darf jeder für sich vornehmen), dass unsere Gäste bald wieder zahlreich an unsere Türen klopfen mögen.

am 10.03.2020 von Jochen Häfele

Vergleichen heißt hinschauen

Vor eineinhalb Jahren habe ich einem Kunden empfohlen einen Betriebsvergleich durchzuführen. Das dwif bot sich an, da gerade Teilnehmerbetriebe für eine Studie gesucht wurden und das Angebot inklusive kleinem Betriebsvergleich kostenlos war.

Nun ist der Betriebsvergleich mit Datenbasis von 2017 veröffentlicht und ermöglicht einen Einblick in ähnlich strukturierte Unternehmen des Hotel- und Gastronomiegewerbes. dwif Studie Betriebsvergleich

Einer der größten Unterschiede zwischen kleinen und großen, professionellen und unprofessionellen Selbständigen im Gastgewerbe ist am Thema Zahlen – betriebswirtschaftlichen Zahlen abzulesen. Das muss nicht unbedingt trockene Materie sein, es kann sogar dazu führen, dass Sie glücklicher werden.

Ganz oft wissen Menschen und damit auch Unternehmer um die vorhandenen Probleme, schauen aber nicht hin oder gar unbewusst weg. Da hilft der beste Betriebsvergleich nicht, die vorhandenen Missstände anzugehen. Oder hat Sie schon einmal ein Buch dazu gebracht, etwas Grundlegendes zu verändern?
Eher selten, meist wird das nur dann angegangen, wenn gehörig Druck vorhanden ist und einem jemand im sprichwörtlichen Nacken sitzt.

Der Blick in das gedruckte Zahlenwerk ist für meinen Kunden übrigens vollkommen überholt, da sich die Zahlen von 2017 und 2019 sehr stark unterscheiden – zum Glück!

am 25.10.2019 von Jochen Häfele

Overtourism und das Allgäu

In aller Munde ist das englische Wort Overtourism oder Übertourismus auch im Allgäu. Es beschreibt die Situation, dass Einheimische schlicht gesagt die Nase voll haben von Touristenmaßen.

In den allermeisten Allgäuer Orten sinkt die Anzahl der Betten jedoch seit Jahren kontinuierlich - die Auslastung der verbliebenen Betriebe jedoch steigt, wodurch der seit Jahren vermeldete Zuwachs an Übernachtungen erklärbar ist. Ob diese jährlichen Übernachtungsrekorde nun zu einer negativen Haltung der im Allgäu wohnhaften Bevölkerung führen, ist die Frage.

Es gibt zwei neuralgische Punkte: die individuelle Mobilität sowie die Anziehung der sogenannten Touristenmagneten. Die Aufgabe für die Verantwortlichen im Allgäu sollte in der Lenkung der Ströme gesehen werden. Um dieses wichtige Thema anzugehen, müsste es von den Allgäuer Touristikern und vor allem den Gemeinden erkannt werden und dann gemeinsam in Zusammenarbeit mit Experten angegangen werden.

Eines ist klar: sowohl im Bereich des (nachhaltigen) öffentlichen Nachverkehrs als auch im Bereich der Besucherlenkung spielen wir im Allgäu Kreisklasse C - also ganz weit hinten. Die Gründe sind: es gibt keine durchgehende ÖPNV Karte für unsere Gäste, die im Übernachtungspreis inklusive ist - und nur das funktioniert. Der ÖPNV im Allgäu ist nicht leistungsfähig, unflexibel und damit nicht auf die Bedürfnisse heutiger Gäste eingerichtet. Hier bedarf es neuer innovativer Ideen und Konzepte.

Zusammengefasst: es gibt Belastungsgrenzen, die durch intelligentes Management und bessere Zusammenarbeit im Allgäu gemeistert werden könnten. Ein schlichtes mehr an Übernachtungen kann und sollte nicht das Ziel für die Zukunft sein. Intelligenter & besser ist die richtige Strategie.

am 25.04.2019 von Jochen Häfele

Die Sehnsucht: eigenes Gästehaus im Allgäu

Schnee auf der Hütt'n

Die Sehnsucht nach einem eigenen Gästehaus im idyllischen Allgäu ist groß. Viele Menschen wünschen sich ein eigenes Gästehaus. Der eigene Chef sein und das am besten noch in einer abwechslungsreichen, attraktiven und lebenswerten Region wie dem Allgäu. Als Touristiker und Tourismusberater habe ich in den letzen 15 Jahren so meine Erfahrungen gemacht...

Die Sehnsucht wird als ein "inniges Verlangen" bezeichnet. Viele Menschen treibt die Veränderung an, alternativ der Wunsch nach inniger Lebenserfahrung. Das eigene Gästehaus erfüllt viele Klischees des glücklichen Lebens auf dem Lande. Dass das Klischee schon im ersten praktischen Schritt sein wahres Gesicht zeigt, hat so Mancher als Realitätsschock verspürt. Das Objekt der Begierde kaufen oder pachten. Diese Frage stellt sich zumeist gar nicht, da Gästehäuser und Pensionen im Allgäu zu 95% verkauft werden. Dass die seit Jahren aufgerufenen Kaufpreise den nächsten Schock auslösen, ist jedem bewusst, der sich eingehender mit der Materie beschäftigt hat.

Sollte die Bank mitziehen oder das gut gefüllte Schatzkästchen den Kauf der Pension ermöglichen, beginnt die eigentliche Arbeit. Zumeist mit sehr viel Herzblut und einer Unmenge an Ideen starten die Neulinge, die maximal durch das liebe Geld oder Auflagen gebremst werden. Sobald all dies erledigt ist, fällt dem neuen Gastgeber von Neuem auf, wie unromantisch das Ganze doch ist. Er/Sie muss sich in mannigfache Materie einarbeiten und dabei viel, ja sehr viel lernen. Ein Tourismusberater Kollege hat zusammen mit Gastgebern einmal ermittelt, dass über 70 verschiedene Aufgabenfelder für Pensionsbetreiber zusammen kommen. Jeder altgediente Allgäuer Gastgeber wusste deshalb schon immer, sich auf das zu konzentrieren was er kann und nicht auf das was er nicht kann. Aber wie soll das ein Gastgeber-Greenhorn schon wissen?
Und trotzdem wird es weiterhin zähe Artgenossen geben, die sich in diese Materie rein arbeiten - 10, 12 oder 14 Stunden am Tag bis sich die Erkenntnis Stück für Stück breit macht: das innige Verlangen nach einem eigenen Gästehaus im Allgäu ist einfach nur ein richtig hartes Stück Arbeit.

Ob es sich das Ganze dann finanziell auch lohnt, das steht noch mal auf einem ganz anderen Blatt und wird hier in meinem nächsten Blogbeitrag näher betrachtet.

am 21.01.2019 von Jochen Häfele

Fachwissen für Gastgeber

Nachfolgend habe ich Ihnen ein paar Möglichkeiten dargestellt, wie Sie als Gastgeber im Allgäu an passende Informationen kommen - online und offline - digital und traditionell im Workshop oder beim Fachvortrag.

Auf Initiative von Oberstdorf Tourismus hat sich eine ständig wachsende Anzahl von Seminaren, Kursen, Workshops, usw. heraus gebildet, die von allen Gastgebern aus dem Allgäu besucht werden können. Hier die Infos zu Gipfelhoch3

Im Auftrag der DEHOGA Bayern bietet die BTG in ganz Bayern Seminare an

Wer Interesse an Tourismusforschung und Statistiken hat, der ist bei der Tirol Tourism Research gut aufgehoben. Hier zeigen unsere Nachbar wie viele Schritte Sie voraus sind. Kostenlos anmelden und alle Infos erhalten unter Tirol Tourism Research

Auch im Allgäu hat sich eine Seite mit wachsender Anzahl von Informationen etabliert. Hier finden Sie Informationen, die sich nicht auf den Tourismus beschränken. Zu den Allgäu Infos

Wer jedoch individuelle Fragestellungen hat, der sollte in jedem Fall einen Fachmann zu Rate ziehen. Das rechnet sich früher oder später in jedem Fall.

am 19.11.2018 von Jochen Häfele

Das ganze Allgäu unter einem Dach

Die Marke Allgäu hat ohne Frage in den letzten Jahren viel erreicht, besonders im Bereich der Außendarstellung und der Einheitlichkeit. Und nur so geht es heutzutage um überhaupt noch wahrgenommen zu werden.

Nun geht es darum, die Marke weiter zu stärken. Dazu sind alle Allgäuer eingeladen an einer Umfrage teilzunehmen, die dabei unterstützen soll, herauszufinden wie Einwohner, Touristiker und Unternehmer die Dinge so sehen. Hier können auch Sie teilnehmen: Meinungsumfrage der Marke Allgäu

Ich frage mich jedoch: Wie kann das gesamte Allgäu etwas schaffen, was den wenigsten Unternehmen gelingt? Eine einheitliche Außendarstellung, die gleichen Ziele, die von allen gelebt werden...

Die Macher der Marke sollten sich nicht zu hohe Ziele setzen, so meine Meinung.

am 30.05.2018 von Jochen Häfele

Wo geht die Reise hin geht...

Für Gastgeber stellen sich oftmals Fragen von langfristiger Natur: Wie entwickle ich mein Beherbergungsangebot weiter? Welche Zielgruppe spreche ich an und mit welchen Mitteln erreiche ich diese? Wie finanziere ich die Weiterentwicklung? Wie kann ich mit meinem Gewerbe zukünftig bessere Erträge erzielen?

Aber das grundlegende Problem ist meist, dass diese Investitionen sich nur über lange Zeiträume rechnen. Woraus sich die Frage ergibt: will das der Gast auch in 5, 10 oder 15 Jahren?

Der aktuelle Trend (nicht nur im Allgäu) setzt auf hochwertige Ferienwohnungen und seit ein paar Jahren vermehrt auf Chalets. Diese Chalets bieten noch mehr Raum als die großzügigen 4 oder 5 Sterne Ferienwohnungen, noch mehr Luxus und sind pro Nacht kaum unter € 200,- zu buchen.
Hier ein paar Einblicke aus nächster Umgebung:
www.aadla.at
www.alpzitt-chalets.de
https://walserland.at
www.chalet-grand-flueh.at

Alle die mit dem Gastgewerbe zu tun haben stellen fest, dass es auch im Allgäu immer mehr hochwertige Ferienwohnungen gibt und damit der Konkurrenzkampf in diesem Segment wächst.
Macht es also Sinn für Sie als Gastgeber jetzt auch noch auf diesen Zug aufzuspringen oder sollten Sie besser auf ein anderes Pferd setzten?
Gerne berate ich Sie ganz individuell zu diesem oder anderen Themen.

am 07.03.2018 von Jochen Häfele

Tourismus Allgäu Blog

An dieser Stellen schreibe ich regelmäßig über ausgewählte Themen, die einen direkten Bezug zum Tourismus im Allgäu haben. Das Ziel ist in dem Überangebot von Informationen einen Anker zu finden und damit die Tourismus-Theorie für Praktiker verständlich zu erläutern und einzuordnen.

Wie viel Tourismus- theoretische Erkenntnisse brauche ich als Gastgeber?
Eine große Frage, die ganz schnell beantwortet sein kann: KEINE soweit ich täglich mit Gästen arbeite und über einen gesunden Menschenverstand verfüge.

Aber sobald ich Entscheidungen treffe, die über das Heute und Morgen hinaus gehen, brauche ich Sicherheit und dabei hilft nur eines: WISSEN. Woher erhalte ich als Touristiker im Allgäu mein Wissen? Aus dem Internet... was soll ich mir da jetzt aussuchen? Es gibt Tourismus Blogs, Social Media Blogs, Tourismusstudien, Destinationsempfehlungen, Seminare & Workshops, Gästebefragungen, DEHOGA Newsletter und vieles mehr. Was ist relevant für mich als Gastgeber?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein erfrischender Mix aus Theorie und Praxis das Beste ist. Ich bekomme viele meiner touristischen Fachinformationen aus Tirol & Südtirol. In diesen Regionen fließt viel Geld in die Forschung und das Arbeiten ist zumeist sehr professionell. Klar benötige ich als Tourismusberater zusätzliche Informationen.
Hier ein praktisches Beispiel: Reisethemen aufgearbeitet auf Südtirolerisch
Schauen Sie doch, was für Sie relevant ist - für Sie ganz persönlich.

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